Vergleich CD – LP anhand des Albums „Svarta Björn“ von Kari Bremnes
Autor: Andreas Hünnebeck, acmh@gmx.deDas Album „Svarta Björn“ der norwegischen Sängerin Kari Bremnes ist in Highenderkreisen aufgrund seiner hervorragenden Aufnahme- und Musikqualität zu Recht bekannt und beliebt. Um auch den Anhänger des Vinyl den Genuß dieser Aufnahme zu ermöglichen, hat die Firma ars im Jahr 2000 eine qualitativ hochwertige (180g) Schallplatte veröffentlicht. Ich habe mir diese LP bei einem Konzertbesuch 2006 gekauft, obwohl ich schon die 1998 erschienene CD besitze – es hat mich einfach interessiert, inwieweit sich CD und LP unterscheiden.
Tonal sind CD und LP sehr ähnlich – mir ist es nicht möglich, jederzeit klar zu erkennen, welches Medium gerade abgespielt wird. Die CD hat bei leisen Stellen eine minimal höhere Auflösung bzw. Transparenz. Im letzten Stück auf der zweiten Seite der LP hat der Tonabehmer bei den lauten, extrem tiefbasslastigen Stellen leichte Abtastprobleme, oder die LP ist nicht ganz in Ordnung.
Beim Anhören des ersten Stücks schien mir die große Basstrommel des (übrigens hervorragenden) Schlagzeugers Helge Andreas Norbakken etwas konturierter zu sein; d.h. der Anschlag schien mir etwas besser heraushörbar zu sein, was bei der extrem tiefen Abstimmung dieser Trommel nicht unwichtig ist. Die CD versteckt diesen Anschlag etwas, so daß die Trommel scheinbar etwas mehr in den Hintergrund gerät.
Ich habe daraufhin das erste Stück mit meinem CD-Recorder aufgenommen1 und im PC diese Aufnahme und das erste Stück von der Original-CD gerippt, um sie mit meinen Audiotools untersuchen zu können. Der CD-Recorder wurde mit einem Headroom von etwa 2 dB ausgesteuert.
Mit dem Programm wavstat kann man die statistische Verteilung der Amplitude berechnen und in einer Grafik anzeigen. Man kann damit sehr einfach Übersteuerungen und den Einsatz von Limitern erkennen:

Tatsächlich zeigt die Grafik2, daß bei der CD ein Softlimiter zum Einsatz kam, wogegen die LP deutlich sauberer ausgesteuert ist. Im Waveditor (audacity) sieht das dann so aus (oben die LP-Aufnahme, unten die CD):

Ein Detail aus dem am meisten übersteuerten Bereich sieht so aus:

Ich habe daraufhin mit sox die Amplitude des LP-Stücks um den Faktor 1,8 erhöht und mit einem Limiter behandelt3, um zu versuchen, ob ich damit eine der CD ähnliche Amplitudenverteilung bekomme:

Bis auf die unterschiedlichen Eigenschaften der verwendeten Limiter sind beide Amplitudenverteilungen praktisch gleich.
Um deutlich zu machen, wie groß der Verlust in den Signalspitzen ist, habe ich die Amplitude des CD-Stücks um Faktor 1,8 (d.h. mit 0,555 multipliziert) verringert4:

Die Maximalamplitude (Peak-Peak) der CD (um Faktor 1,8 reduziert!) beträgt 17889 + 17886 = 35775. Die Maximalamplitude der LP-Aufnahme beträgt 29662 + 28087 = 57749. Die Differenz in dB beträgt somit 20 * log10(57749/35755) = 4,1 dB.
Die Frequenzspektren5 von LP und CD (um Faktor 1,8 in der Amplitude reduziert, um einen Pegelvergleich zu erleichtern, mit 1/3 Oktav-smoothing) sind recht ähnlich:


Im Vergleich zur CD hat die LP bei 70 HZ etwa 1 dB mehr Pegel, zwischen 150 Hz und 300 Hz ist der Pegel gleich, zwischen 500 Hz und 15 kHz etwa 1 dB niedriger, darüber wieder gleich. Die LP hat also eine kleine Bassbetonung von etwa 2 dB.
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CD: |
Kirkelig Kulturverksted, FXCD 200, 1998, 7 029971 982002 |
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LP: |
Kirkelig Kulturverksted, ARS180gHQ, ars-FXLP 200, 2000/2004, 4 015698 8746 1 7 |
1 Aufnahmekette: Plattenspieler Laufwerk Linn LP12 Cirkus/Lingo, Tonarm Linn Ekos, Tonabnehmer Van den Hul MC1 Special – Vorverstärker AH Pre-1 (Selbstbauvorverstärker) – CD-Recorder Tascam CDRW-700
2
Die Grafik wurde erzeugt mit dem Befehl: wavstat -P
cd-lp-stat.png -g"set terminal png medium xffffff x000000
x404040 xff0000 x0000ff x00ff00" -C -t"Kari Bremnes:
Svarta Bjoern - CD vs. LP" track01-cd.wav track01-lp.wav
3
sox wurde wie folgt gerufen: sox track01-lp.wav
track01-lp-x1,8-lim.wav vol 1.8 amplitude 0.1Dabei
meldete sox, daß 7600 Samples beschnitten wurden.
4
sox wurde wie folgt gerufen: sox track01-cd.wav
track01-cd-x0,555.wav vol 0.555
5
Die Frequenzspektren wurden mit wavspec erzeugt:wavspec
-o lp-spec.png -g "set yrange [-85:-40]" -g"set ytics
2" -s 0.33 track01-lp.wav
wavspec -o cd-x0,555-spec.png -g
"set yrange [-85:-40]" -g"set ytics 2" -s 0.33
track01-cd-x0,555.wav